2004 gründete Wolfgang Sieber die Luzerner Orgelfreunde. Zwanzig Jahre später feierte der Verein sein Jubiläum im KKL Luzern – mit rund 200 Mitwirkenden, einer Radlerguugge, Zirkuskindern und einem Orchester aus Freunden.
Ein Verein aus Begeisterung
Im Juni 2004 wurden in Luzern die Luzerner Orgelfreunde gegründet. Wolfgang Sieber, damals Hoforganist an St. Leodegar, übernahm das Präsidium – und behielt es über zwanzig Jahre. Der Verein begeistere sich, so sein Selbstverständnis, «für klassische Orgelmusik ebenso wie für überraschende Klänge, spannende Konzertformate und neue Ideen rund um die Königin der Instrumente».
Heute zählt er über 300 Mitglieder. Man besucht gemeinsam Konzerte, entdeckt Orgellandschaften im In- und Ausland und trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat zum Orgelfreunde-Höck im Rebstock Luzern.
Jubiläumskonzert im KKL Luzern
Wie ernst es dem Verein mit den «überraschenden Klängen» ist, zeigte sich am 30. Mai 2024 im KKL Luzern. Die Luzerner Zeitung sprach tags darauf von einem «unmöglichen Jubiläumskonzert, das es dank einer Person in Luzern trotzdem gibt». Der Titel des Abends war Programm: «ORGEL & FRIENDS».
Durch den Abend führte Sämi Studer. Sieber hatte ihn gebeten, sich zurückzunehmen und die Auftritte als verbindendes Glied zusammenzuhalten.
Erster Teil: Luzern in allen Farben
Den Auftakt machte die Radlerguugge PNØH, mit Kindern der Zirkusschule Tortellini auf dem Kunstrad – und, für einmal, mit Orgelpedal. Danach sang der Schüler- und Jugendchor Utopia aus Escholzmatt-Marbach, von «Baba Yetu» bis zum «Beichle Jutz».
Leiser wurde es bei Astor Piazzollas «Oblivion»: Andrea Bischoff an der Oboe, Wolfgang Sieber an der Orgel, Yvonne Sieber im Tanz. Das Vokalensemble vocabular sang a cappella die Hymne «Lozärn».
Mit den Chottlebotzer Lozärn wurde der Saal zum Chor: Beim «Halleluja» sang das Publikum mit, bei «Crocodile Rock» wohl auch. Die Formation integriere alle, schrieb die Luzerner Zeitung, «sogar einen Organisten». Die Horngruppe Obwalden spielte den «Einzug der Gladiatoren» und das «Rigilied», das Jodelterzett Seetal stand gemeinsam mit Sämi Studer auf der Bühne. Zum Schluss des ersten Teils brachte New Balkan Folk den Saal in Bewegung, während die jungen Artistinnen von Tortellini an Vertikaltüchern turnten.
Zweiter Teil: das Jubiläumsorchester
Nach der Pause gehörte die Bühne dem eigens gebildeten Jubiläumsorchester: 85 Musikerinnen und Musiker, die ohne Gage spielten, geleitet von Joseph Sieber. Auf Rossinis Ouvertüre zu «La gazza ladra» folgte Ravels «Boléro», getanzt von Yvonne Sieber, Mariel Barreto und Sarah Kunz – nicht nur auf der Bühne, sondern auch vor der Orgelempore und zwischen den vorderen Sitzreihen. Dazu kamen Brahms‘ «Ungarischer Tanz Nr. 5» und «Chole hole», eine Komposition Wolfgang Siebers, die Joseph Sieber für Orchester eingerichtet hatte.
Was an diesem Abend zusammenkam, hätte kaum ein Konzertveranstalter auf ein Programm gesetzt. Für die Orgelfreunde war es eine Bilanz: zwanzig Jahre, in denen die Orgel Verbindungen eingegangen ist, die man ihr nicht zugetraut hätte.
Zum Anschauen und Hören
Das ganze Konzert ist auf dem YouTube-Kanal ORGELSPACE dokumentiert.