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Wegmarken25. Mai 20263 Min. Lesezeit

Die Orlando-di-Lasso-Medaille

Zwei Seiten einer Medaille. Mitten im Abschiedskonzert erhielt Wolfgang Sieber eine Auszeichnung, mit der er nicht gerechnet hatte.

Am 18. Mai 2026 verabschiedeten die Luzerner Orgelfreunde ihren Gründer im KKL Luzern. Mitten im Abend erhielt Wolfgang Sieber eine Auszeichnung, die in keinem Programm stand: die Orlando-di-Lasso-Medaille, verliehen im Namen der Kirchenmusikverbände der Schweiz, Deutschlands und Österreichs.

Ein Moment, der nicht im Programm stand

Der Abend «Orgel – Reminiszenzen und Laser» wechselte zwischen Chor, Orgel und persönlichen Erinnerungen von Weggefährtinnen und Weggefährten. Die erste dieser Reminiszenzen hielt Sandra Rupp Fischer. Die Kulturmanagerin und Chorleiterin leitete früher den Kirchenmusikverband des Bistums Basel und gehört heute dem Vorstand des Schweizerischen Katholischen Kirchenmusikverbands SKMV an.

Sie kennt Wolfgang Sieber und Sylvia Käslin Sieber seit rund zwanzig Jahren. Mit dem Marienchor Olten gestaltete sie mehrere Gottesdienste in der Hofkirche mit, gemeinsam entstanden Tage und Veranstaltungen des Kirchenklangfests «cantars», eine interreligiöse Feier und das Projekt «Grego-Funk». «Wer wagt es», fragte sie, «Gregorianik, Funk, Orgel und singende Jugendliche zusammenzuführen?» Die Antwort gab sie gleich selbst: Wolfgang Sieber natürlich.

Dann wechselte sie den Ton. Es sei ihr eine grosse Ehre, ihre Anerkennung für sein Gesamtwerk «zudem mit einem Stück Metall zu besiegeln». Im Namen des SKMV und der Kirchenmusikverbände Deutschlands und Österreichs überreichte sie ihm die Orlando-di-Lasso-Medaille. Die Zeitschrift Musik & Liturgie sprach später von einer «grossen Überraschung» – im Konzertfilm ist sie Wolfgang Sieber deutlich anzusehen.

Reminiszenz von Sandra Rupp Fischer und Übergabe der Medaille (Konzertfilm ab 21:42).

Eine Ehrung aus der Kirchenmusik

Die Orlando-di-Lasso-Medaille geht auf den Allgemeinen Cäcilien-Verband zurück, den Dachverband der katholischen Kirchenmusik im deutschsprachigen Raum. Sie wird, so der Verband, «in besonderen Fällen aufgrund herausragender kirchenmusikalischer Verdienste» vergeben – in Musikforschung, Komposition, Musikkultur oder Musikerziehung. Über eine Verleihung entscheiden die Präsidenten der Landesverbände einstimmig; sie unterzeichnen auch die Urkunde.

Gewürdigt wurde Wolfgang Sieber laut Musik & Liturgie für seine Verdienste als Organist, Komponist, Musikpädagoge und Musikvermittler. Es ist eine Aufzählung, die sein Wirken ziemlich genau umreisst: fast drei Jahrzehnte als Stifts- und Hoforganist an St. Leodegar, Orgeltänze, Orgelmärchen, Jodelkantaten und Messvertonungen aus eigener Feder, Formate für Kinder wie «Peter und der Orgelwolf» und über zwanzig Jahre an der Spitze der Luzerner Orgelfreunde.

Der Name: Orlando di Lasso

Orlando di Lasso (1532–1594) gehört zu den grossen Komponisten der Renaissance. Der gebürtige Flame wirkte über drei Jahrzehnte als Hofkapellmeister in München und hinterliess ein Werk von rund 2’000 Kompositionen. Mit ihm wurde München zu einer Musikstadt von europäischem Rang.

Auf diesen Gedanken baute Sandra Rupp Fischer ihre Würdigung auf. Wolfgang Sieber sei es gelungen, «das kirchenmusikgeprägte Luzern zusammen mit deinen Orgelfreunden zu einer Orgelstadt mit internationaler Ausstrahlung zu machen». Und: «Dein Orgelspiel ist ungebremst gefragt.»

In einer Reihe von Ehrungen

Die Medaille ist nicht die erste Auszeichnung für Wolfgang Sieber. Mit der Orlando-di-Lasso-Medaille kommt eine Ehrung dazu, die aus der Kirchenmusik selbst stammt und über die Landesgrenzen hinausreicht.

Die andere Seite

Ihre Würdigung schloss Sandra Rupp Fischer mit einem Satz, der sich an zwei Menschen richtete:

Wir wissen, jede Medaille hat zwei Seiten – drum, gönn dir die eine Seite, die andere ist für Sylvia registriert.

Sandra Rupp Fischer

Sylvia Käslin Sieber sass an diesem Abend, wie so oft, mit auf der Orgelbank.

Im Programmheft des Abends steht ein Satz, der zur Medaille passt, gerade weil er über sie hinausweist: «Dein Wirken lässt sich nicht allein in Konzerten, Projekten oder Auszeichnungen messen. Es zeigt sich vor allem in dem, was du bei Menschen auslöst.»


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