Rund 1’500 Orgelpfeifen lagen über Jahrzehnte im Estrich der Hofkirche. Wolfgang Sieber hat sie wiederentdeckt – und dafür gesorgt, dass sie seit 2015 wieder klingen.
Ein Fund unter dem Dach
Die grosse Orgel der Hofkirche St. Leodegar gehört zu den bedeutendsten Instrumenten der Schweiz. Ihr Kern stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, gebaut vom Salzburger Orgelbauer Johann Geissler. 1862 erweiterte Friedrich Haas sie um ein Fernwerk im Dachboden, samt Regenmaschine – ein Klang, der von hoch oben durch die Deckenrosette in den Raum fällt.
Bei der grossen Restaurierung in den 1970er-Jahren wurden rund 1’500 Pfeifen aus Platzgründen ausgebaut. Man lagerte sie im Estrich ein, und dort blieben sie. Wolfgang Sieber stiess zu Beginn seiner Zeit als Hoforganist auf sie. Ohne sein Engagement, schreibt der Orgelkenner Martin Doering, wären sie vermutlich verschrottet worden.
Vom Estrich zurück in den Raum
Aus dem Fund wurde ein Vorhaben, das Sieber über viele Jahre begleitete. 2010 entstand auf seine Initiative ein Verein, der sich der Restaurierung der Pfeifen verschrieb. Spenden, Stiftungen und private Gönner brachten rund 1,7 Millionen Franken zusammen; die Denkmalpflege gab ihr Einverständnis.
2014 und 2015 restaurierte die Orgelbau Kuhn AG aus Männedorf die historischen Pfeifen. Ergänzt um vier neue Register fanden sie Platz in einem neuen Werk auf einer Empore im Chor. Das Gehäuse aus Ahorn und viel Glas sollte sich bewusst zurückhalten und vom Raum aufgenommen werden.

Wie es klingt
Gespielt wird das Echowerk vom grossen Spieltisch aus; es lässt sich jedem Manual und dem Pedal zuschalten. So kommt der Klang nicht mehr nur von der grossen Orgel, sondern auch aus dem Chor und von oben aus dem Fernwerk.
Es hört sich an wie fünf, sechs Lautsprecher und ein riesiger Subwoofer.
Wolfgang Sieber bei der Einweihung, 2015
«Der Raumklang wird jetzt optimal ausgenutzt», sagte Sieber damals. Zu den Eigenheiten gehört ein Register mit dem Namen «Bätruef» – ein Anklang an den Betruf der Alphirten, mitten in einer Stiftskirche.
Ein Instrument von Rang
Eingeweiht wurde das Echowerk Ende Oktober 2015 mit dem ECHO Orgelfestival. Seither zählt die Orgellandschaft der Hofkirche – Hauptorgel, Fernwerk, Echowerk und Walpen-Orgel – rund 7’500 Pfeifen. Sie ist damit die zweitgrösste Orgel der Schweiz.
Das Echowerk in Zahlen
- 1’500 historische Pfeifen, gerettet aus dem Estrich
- 4 neue Register, darunter der «Bätruef»
- 2014–2015 restauriert von der Orgelbau Kuhn AG, Männedorf
- rund 1,7 Mio. Franken aus Spenden, Stiftungen und von Gönnern
- rund 7’500 Pfeifen zählt die ganze Orgellandschaft der Hofkirche heute
Für Wolfgang Sieber ist das Echowerk mehr als eine Erweiterung. Es verbindet, was ihn als Musiker ausmacht: Respekt vor dem Alten und die Lust, es neu klingen zu lassen.